BERON in der WAZ online

Vor etwa einer Woche ist ein Interview mit BERON in der WAZ online erschienen.
Da ich nur einen Screenshot habe und sich der Text schwer entziffern lässt habe ich mir die Mühe gemacht das Interview abzutippen.
Viel Spaß beim Lesen:

Bochum. Schaut man sich in Michaela Reinhardts Atelier um, braucht man nicht lange, um ihre persönliche Handschrift zu erahnen: Schwarz. Die Farbe zieht sich durch die gesamte Kollektion von „Miss Beron“, hier und da blitzt an den Kleiderstangen auch etwas Weißes hervor. Lässige Schnitte treffen auf verspielte Details aus Spitze oder geblümten Mustern. „Tragbar, aber avantgardistisch“, so würde die 39-Jährige selbst ihre Mode beschreiben. „Damit kann man nachmittags Kaffee trinken gehen, aber auch abends ausgehen, wenn man dazu schönen Schmuck kombiniert. Und Schwarz macht einfach Spaß“.

Früher hat sich die junge Designerin Inspiration von den ganz Großen geholt – von Haute Couture a la Marc Jacobs oder John Galliano. Heute lässt sie sich viel mehr von ihrem Umfeld inspirieren, auch von Leuten auf der Straße. Nach 14 Jahren als selbstständige Designerin ist ihre aktuelle Kollektion „Futur2“ eine Art Neuerfindung für die Bochumerin, denn diesmal hat sie nur Designs gewählt, die sie zu 100 Prozent selber tragen würde. „Als Designer rutscht man schnell in eine Phase, wo man sich nur noch am Markt orientiert. Damit gehe ich natürlich auf Nummer sicher. Aber das wird schnell langweilig“, so Reinhardt. „In der Modebranche brauchst du nun mal Selbstbewusstsein, sonst bist du falsch in diesem Job.“

Ihre Rechnung scheint aufzugehen: Die Kollektion kommt auf Messen, Festivals und in ihrem Online-Shop gut an. Auch Boutiquen wollen die Mode von „Miss Beron“ in ihr Sortiment aufnehmen. Das lehnt Michaela Reinhardt jedoch ab, denn die Designerin möchte alles selbst machen. Produktion, Buchhaltung, Marketing oder Vertrieb, all das geschieht in ihrem kleinen Atelier in einem ruhigen Bochumer Wohngebiet. Momentan wird ihre Kollektion nur an Endkunden verkauft und das soll auch so bleiben; „Ich möchte nicht produzieren lassen. Ich bin sozusagen eine One-Woman-Show: Meine Hände sind wertvoll.“ Die Kleidungsstücke werden meist per Hand genäht – das wissen ihre Kunden zu schätzen. Eine bestimmte Zielgruppe hat die Mode von „Miss Beron“ nicht. Frauen zwischen 20 und 70 Jahren kaufen bei dem Label ein, besonders in der Gothic-Szene haben die Kleidungsstücke mit den verspielten Details einige Liebhaber gefunden.
Eins haben Fans ihrer Marke jedoch gemeinsam, so Michaela Reinhardt: Sie shoppen lokal, stehen für „Slow-Fashion“ – ein Konzept, das für weniger Massenware und mehr Bewusstsein beim eigenen Konsumverhalten steht. Immer mehr Menschen kaufen bewusst ihr Essen ein, also warum nicht auch ihre Mode? Verschiedene Saisons gibt es nach ihrer Ansicht streng genommen nicht, schließlich soll das Sommerkleid nicht im Herbst schon wieder in der Altkleidersammlung landen. „Viele Menschen haben den Bezug zur Kleidung verloren und wie viele Köpfe an einem Produkt gearbeitet haben. Lieber ein Teil aussuchen, von dem man länger was hat“, sagt Michaela Reinhardt. So wie ihr aktueller Bestseller: Ein schwarzer Hosenrock, der im Sommer mit einer leichten Bluse und Halbschuhen kombiniert werden kann und mit Strickpulli und Stulpen wintertauglich wird. Kaufe man mehr solcher Teile, gehe man weniger shoppen und es lande weniger im Müll, findet die Designerin. Sie selbst hat dieses Jahr noch nichts Neues gekauft. Auch Stoffreste finden im Atelier von „Miss Beron“ noch Verwendung, zum Beispiel als Füllung für ihre süßen Türstopper in Katzenoptik.

Im Ruhrgebiet brodelt was“
Wenn Michaela Reinhardt doch mal bummeln geht, verschlägt es sie auf Trödelmärkte, in Vintageläden oder sie unterstützt ihre lokalen Kollegen auf Messen. Die Leidenschaft für Mode und handwerkliche Arbeit hat sie schon früh für sich entdeckt. Bereits als Kind musste sie immer etwas kreieren oder bauen, damals waren es noch Eisenbahnen aus dem Märklin-Baukasten. Nach einem Designworkshop mit 16 Jahren fiel die Entscheidung, sich als Modedesignerin selbstständig zu machen. Obwohl die 39-Jährige in Trier studiert hat, entschied sie sich dafür, ihr Unternehmen im Ruhrgebiet aufzubauen. München zu spießig, Hamburg zu teuer, „und in Berlin ist jeder Hinterhof kreativ. Das Ruhrgebiet ist ein riesiges Ballungsgebiet und ich habe gemerkt, da brodelt was“, erinnert sich Reinhardt.
Nach einem Unternehmen in Essen und einem Atelier in Dortmund, gründete sie 2012 „Miss Beron“, benannt nach dem Mädchennamen ihrer Mutter. Seitdem bringt sie jedes Jahr zwei Kollektionen raus. Meist arbeitet die Designerin mit Jerseystoffen, die Materialien kauft sie gerne aus England oder Italien. Für die Herbst/Winter-Kollektion darf es viel Strick sein und auch helle Farben werden eine Rolle spielen, ganz nach ihrem Motto: Im Winter ist es schon dunkel genug, da dürfen die schwarzen Klamotten getrost im Schrank bleiben. Was danach kommt, weiß Michaela Reinhardt noch nicht. Oder sie will es noch nicht verraten – ihr kleines Notizbuch ist voller Skizzen. Vielleicht wolle sie sich in zehn Jahren mal vergrößern, das wisse sie noch nicht. „Im Moment möchte ich nur für mich alleine verantwortlich sein, denn wenn ich scheitere, dann scheitere ich allein“.

MEIN STYLINGTIPP

Für Designerin Michaela Reinhardt gibt es in der Mode keine Regeln, alles ist möglich. Hauptsache, man fühlt sich in seiner Kleidung wohl und sie passt zum Anlass. Mit Blick auf ihren eigenen Stil und ihre Kollektionen rät sie allerdings, Mut zum Stilbruch zu haben. Man sollte sich bewusst machen, für welchen Anlass ein Kleidungsstück ursprünglich gedacht war – und es dann zweckentfremden. So könne ein schickes Kleid mit derben Boots alltagstauglich werden. „Und der Blazer muss nicht nur im Büro getragen werden. Kombiniert mit einer legeren Hose, kann er sich auch in der Freizeit sehen lassen.“

MEIN LIEBLINGSTEIL

Michaela Reinhardts Lieblingsteil ist eine Rarität – noch zumindest. Denn das schwarze Kleid mit der Knopfleiste am Kragen und ¾-Ärmeln (großes Bild) ist Teil ihrer diesjährigen Herbst/Winter-Kollektion, die erst im Oktober auf den Markt kommt. Die Designerin wollte es eigentlich nur testen – auf Partys, Festivals und im Atelier – jetzt will sie es gar nicht mehr ausziehen. „Es ist so bequem. Und funktioniert immer.“ Ziel der Designerin war es, ein lockeres Kleid zu entwerfen, das trotzdem nicht die Figur versteckt. Durch den A-Linien-Schnitt sitzt das Kleid in Leinenoptik an den Schultern eng und ist unten ausgestellt. Auch bei diesem Teil war Reinhardt die Multifunktionalität wichtig: Tagsüber im Atelier trägt sie es mit Strumpfhose und Budapestern, danach pimpt sie es mit Gürtel und Stiefeletten. Die Designerin ist zufrieden: „Da muss man sich mal selber loben.“

Im Übrigen habe ich nicht vor zu scheitern ;)
Eure Michaela


Text: Valerie Becker
Fotos: Ingo Otto
Model: Sina Muck